Rheinische Post am 13.06.2026
Konzert zum Orgelgeburtstag in Düffelward
Der Niederländer Gerben Budding war als Musiker der besonderen Klasse zu Gast in Düffelward.
VON WOLFGANG DAHMS | KLEVE
Das hatte sich der in Issum geborene und in Kevelaer ansässige Orgelbauer Heinrich Rütter (1812-1887) im Jahre 1856 sicherlich nicht vorgestellt, dass seine zehn Register umfassende Schleifladenorgel auch nach 170 Jahren noch zum Lobe Gottes und zur Freude der Menschen in der Kirche von Düffelward erklingen würde. Ein wesentlicher Grund dafür ist sicherlich die umfassende fachkundige Restaurierung des historischen Instruments durch die Firma Friedrich Fleiter, Orgelbau Münster, im Jahre 1993. Respekt und Anerkennung darf auch dem rührigen Förderkreis „Musica Sacra“ in der Düffelt ausgedrückt werden, gelingt es ihm doch immer wieder, renommierte Organisten für ein Konzert in den Kirchen von Düffelward, Bimmen und Kekerdom (NL) zu gewinnen. Und auch beim Konzert zum Dreifaltigkeitssonntag war mit dem Niederländer Gerben Budding wieder ein Organist der besonderen Klasse zu Gast.
Budding ist Kirchenmusiker an der Sint Janskerk und Stadtorganist in Gouda. In der Sint Janskerk steht Budding ebenfalls eine historische Orgel zur Verfügung, die mit ihren 53 Registern jedoch weitaus größer als das Instrument in Düffelward. Als bekannt großer Förderer der niederländischen Orgelmusik stellte Budding Werke des Organisten und Komponisten Jan Pieterszoon Sweelinck (1561-1621) an den Beginn des Konzertes.
Der zeitlebens in Amsterdam beheimatete Sweelinck beeinflusste stark die „Norddeutsche Orgelschule“. Die rund 70 Werke, die er für Tasteninstrumente hinterließ, erschienen nie im Druck, sondern wurden als Handschriften der Sweelickschen Schüler überliefert. So seine „Toccata in a-moll“ und die „Echo-Fantasie in d-moll“. Der Choral „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ zog sich gleichsam als „roter Faden“ durch das Konzert und erklang er in den verschiedensten Variationen.
Eine Perle der Orgelmusik ist die sogenannte „Kleine Orgelmesse“ von Bach. Schön, dass Gerben Budding einige von den 21 Choralbearbeitungen in Düffelward vorstellte, prächtig eingerahmt von der Bachschen Ciacona in d-moll und g-moll. Gerben Budding ist ein Könner, was die „Auslotung“ der klanglichen Möglichkeiten des historischen Instruments betrifft: eine wichtige Voraussetzung für ein gelungenes Konzert auf einem historischen Instrument wie der Rütter-Orgel. Ohne Frage Orgelkunst auf einem hohen technischen und künstlerischen Niveau.
Dies wurde auch sehr deutlich bei der abschließenden Improvisation aus der Feder des Organisten über – passend zum Dreifaltigkeitssonntag – „O lux beata Trinitas“ und den Psalm Davids nach dem Genfer Psalter. Ein hervorragend konzipiertes und ausgeführtes Jubiläumskonzert zum 170. Geburtstag der Rütter-Orgel mit einem Meister seines Faches am historischen Instrument. Man darf annehmen: Der Erbauer Heinrich Rütter wird großen Gefallen daran gehabt haben. Die Zuhörenden dankten mit langem Beifall für das Konzert. Weitere Infos unter:
